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ESF-Projekt "Ergotherapie 2010" DACHS-Projekt


DACHS (Deutschland, Austria, Schweiz, Südtirol) ist ein länderübergreifendes Projekt, das mit Geldern aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) finanziert wird.
VertreterInnen der Berufsverbände und/oder der Ausbildung aus diesen Regionen haben sich 2004 zusammengefunden und das Projekt mit folgendem Titel gemeinsam vorbereitet.

„Ergotherapie 2010 – Weiterentwicklung des Berufes und der Ausbildung im Bereich der Ergotherapie insbesondere in Bezug auf Gesundheitsförderung und Prävention unter Berücksichtigung von Arbeitsmarkt und Berufsbefähigung („employability“)„

Gesellschaftlicher Kontext, Gesundheitswesen

Verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen im Gesundheitswesen fordern die Berufe im Gesundheitswesen und damit auch die Ergotherapie heraus, sich aktiv mit dem eigenen Berufsbild und den eigenen Angeboten auseinander zu setzen:

- Veränderte Umweltbedingungen, verbesserte sozio-ökonomische Voraussetzungen und Fortschritte in der Medizin haben einen Anstieg der Lebenserwartung zur Folge. Was einerseits eine positive Entwicklung darstellt, droht andererseits zu einer Überbeanspruchung vorhandener Gesundheits- und Sozialsysteme zu führen: Obwohl ältere Menschen tendenziell gesünder sind als früher, ist mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung auch eine Zunahme an chronischen Krankheiten verbunden.
- Trotz eines hohen Lebensstandards nehmen Suchtkrankheiten, Depressionen, Essstörungen (sowohl Übergewicht als auch Magersucht), Krebs usw. in breiten Bevölkerungsschichten zu. Immer mehr Menschen beziehen eine Invalidenrente.
- Die Medizin entwickelt sich weg von einem rein naturwissenschaftlichen Krankheitsverständnis hin zu: Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit und Verhinderung von Krankheit. Gesundheitsförderung und Primärprävention werden zu zentralen Mitteln, um diese Ziele zu erreichen. Für die Ergotherapie ergeben sich dadurch neue Möglichkeiten: Gesundheitsförderung durch Förderung der Handlungsfähigkeit und durch Anpassung der Umwelt.
- Mit dem Ansatz der Gesundheitsförderung können mit relativ geringem Einsatz an Geld und Humanressourcen Gesundheitspotentiale erschlossen und große Gesundheitsgewinne ermöglicht werden.

Diese Entwicklungen führen zu Veränderungen in den Rollen- und Berufsdefinitionen der in diesem Bereich tätigen Berufsgruppen. Eine Verlagerung von Betätigungsfeldern von Gesundheitsberufen in den ambulanten, alltagsnahen Bereich hat schon begonnen.
Für die InitiatorInnen des DACHS-Projektes ist klar: Es braucht in Zukunft beides: alltagsnahe Prävention und Gesundheitsförderung und eine qualitativ hochwertige Versorgung von Kranken, Behinderten und Unfallopfern – in beiden Feldern verfügt die Ergotherapie über kompetente Grundlagen.
 
Ergotherapie im Wandel

Auch die Ergotherapie hat sich in den letzten 15 Jahren stark verändert. Traditionellerweise ist sie im Gesundheitswesen als medizinisch-therapeutischer Beruf verankert. In den letzten 10-15 Jahren wurden ergotherapiespezifische Modelle/Konzepte und Theorien aus dem angelsächsischen Raum aufgegriffen und weiter entwickelt. Damit bewegt sich auch die Ergotherapie weg von funktionellen, medizinisch orientierten Behandlungsschwerpunkten und -zielsetzungen, hin zum (erneuten) Fokus auf die Handlungsfähigkeit des Menschen. Diese Entwicklung ist verbunden mit einem Prozess der Professionalisierung des Berufes.
Geht man von einer heute aktuellen Beschreibung von Ergotherapie aus, so ist eine einseitige Einordnung der Ergotherapie im kurativen und rehabilitativen Bereich nicht mehr gerechtfertigt. Ergotherapie muss diesen Ansatz auch im Bereich von Gesundheitsförderung und Prävention einbringen können, demzufolge müssen die Ausbildungsinhalte weiterentwickelt und entsprechend adaptiert werden.

Bedürfnisse – eng begrenzter Arbeitsmarkt

Die Ergotherapie hat sich innerhalb des Gesundheitswesens inhaltlich einen relativ klar definierten Platz schaffen können. Sie stellt einen wesentlichen Bestandteil der medizinischen Grundversorgung dar und ist in diesem Gebiet nicht ersetzbar. Sie hat sich damit aber auch fast ausschließlich auf jene Bereiche konzentriert, welche Dienstleistungen auf der Basis ärztlicher Verordnungen erbringen und von einer Krankenversicherung bezahlt werden. Dadurch ist die Ergotherapie von Geldgebern abhängig geworden, die nun selbst in Geldnot sind.
Die Ergotherapie ist außerdem von den oben beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen und den Bewegungen im Gesundheitswesen direkt mit betroffen.
Durch zunehmende Sparmaßnahmen ist der Arbeitsmarkt für ErgotherapeutInnen begrenzt und ein notwendiger Ausbau des Angebotes kann nicht in die Realität umgesetzt werden.

Ziele des Projektes

Damit die Ergotherapie dieser Zukunft auf dem Arbeitsmarkt gewachsen ist, braucht sie eine Weiterentwicklung ihres Selbstverständnisses. Es gilt, die Kernkompetenzen klar herauszuarbeiten und ein umfassendes Leistungskonzept zu erstellen, welches die Bereiche Prävention/Gesundheitsförderung einschließt. Dabei geht es nicht darum, völlig neue ergotherapeutische Leistungen zu „erfinden“, sondern die in den Ursprüngen und den Kernkompetenzen des Berufes bereits angelegten Möglichkeiten herauszuarbeiten, sie differenziert darzustellen und diese Erkenntnisse in die Entwicklung der Ausbildung einfließen zu lassen.
Primäres Ziel dieses Projektes ist die Schaffung neuer Betätigungsfelder für ErgotherapeutInnen (Verbesserung der Arbeitsmarktsituation / Employability) und die Förderung der Berufsentwicklung der Ergotherapie durch die Erstellung eines detaillierten Leistungskonzeptes der Ergotherapie und durch die Entwicklung von Umsetzungsstrategien im Bereich der Ergotherapie-Ausbildung und im gesundheits-/sozialpolitischen Umfeld. Dabei soll der Fokus auf die Bereiche Gesundheitsförderung / Primärprävention gerichtet werden, unter Berücksichtigung der traditionellen Kernkompetenzen der ErgotherapeutInnen.

Stand der Dinge

Die Projektarbeit begann am 01. Dezember 2005 und soll am 30. Juni 2007 abgeschlossen werden. In einer ersten Phase wurden in den beteiligten Regionen die Arbeitsmarktsituation der ErgotherapeutInnen, deren derzeitiges Leistungsspektrum untersucht und mögliches Ausbaupotenzial erfasst.
Die ersten Ergebnisse zeigen, dass trotz unterschiedlichem Entwicklungsstand der Ergotherapie in den Regionen und trotz Unterschieden im aktuellen Arbeitsmarkt ähnliche Tendenzen in der Berufsentwicklung herrschen, die den Versuch rechtfertigen, gemeinsam eine Definition eines zukünftigen Leistungskonzeptes der Ergotherapie zu erstellen. Hier einige Beispiele:
- In Deutschland und der Schweiz gibt es Ergotherapie-Ausbildungen seit rund 50 Jahren, in Südtirol erst seit 10 Jahren.
- In Deutschland gibt es bei steigenden Zahlen ausgebildeter ErgotherapeutInnen eine zunehmende Zahl arbeitsloser ETs; in den anderen Regionen können derzeit noch die meisten Neudiplomierten in den Arbeitsmarkt integriert werden.
- In allen Regionen ist die Ergotherapie als medizinisch-therapeutische und rehabilitative Maßnahme verankert.
- In allen Regionen bestehen Bestrebungen, Ergotherapie in neuen Tätigkeitsbereichen, welche nicht durch Krankenversicherungen finanziert werden, zu etablieren, so z.B. in der Gesundheitsförderung/Prävention, in der Betreuung von Migranten, in der beruflichen Integration, im Forschungsbereich, in der Forensik oder in der Gutachtertätigkeit.
Der nächste und wohl anspruchsvollste Schritt in diesem Projekt wird nun sein, ein 4-Länder-übergreifendes zukunftsgerichtetes Leistungskonzept der Ergotherapie zu formulieren, das die Ergotherapie von der Prävention bis zur Rehabilitation in allen Lebensphasen (Kindheit/Jugendalter, Erwerbsalter, ältere und alte Menschen) umfasst.

MitarbeiterInnen

Das technisch-wissenschaftliche Komitee setzt sich zusammen aus einer Lenkungsgruppe, und einer Projektgruppe.
Beide Gruppen garantieren die wissenschaftliche Aufarbeitung der Projektziele.

Lenkungsgruppe

Deutschland:
• Frau Reinhild FERBER, ehem. Vorsitzende des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten)
• Frau Maria MIESEN, Vorstandsmitglied des DVE
Österreich:
• Frau Gabriele SCHWARZE, ehem. Vorsitzende des VDEÖ (Verband der diplomierten Ergotherapeuten Österreichs)
Schweiz:
• Frau Claudia GALLI, Vorsitzende des EVS (ErgotherapeutInnen-Verband Schweiz)
• Frau Ursula JEGGE-MÜLLER, Vorstandsmitglied des EVS
• Herr André BÜRKI, Geschäftsführer des EVS
Südtirol:
• Frau Brigitte FLEITZ, Koordinatorin des Studienganges Ergotherapie, Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe, Bozen

Projektgruppe

Deutschland:
• Frau Sabine GEORGE, Vorstandsmitglied des DVE
• Frau Carola HABERMANN, Leiterin der Berufsfachschule für Ergotherapie, Rosenheim
Österreich:
• Frau Ursula COSTA, Lehrtherapeutin, Akademie für Ergotherapie, Innsbruck
• Frau Beate ROMERO-SCHILLER, Ergotherapeutin, Wien
Schweiz:
• Frau Brigitte EGGENBERGER, Vorstandsmitglied des EVS
• Frau Judith MARTI, Vorstandsmitglied des EVS
Südtirol:
• Frau Christl EGGER, Ergotherapeutin, Bozen
• Frau Lisa MAURONER, Ergotherapeutin, Bozen

Verwaltung

• Frau Verena SEYR, Bozen
• Frau Karin ZINGERLE LAHN, Meran
• Dr. Ulrich HÖLLRIGL, Bozen

Projektcoach
• André BÜRKI

Projektleitung
• Brigitte FLEITZ

Projektträger
CLAUDIANA - Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe

Weitere Informationen finden Sie hier.


 
 
     
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