PODEST - Preventing pOstoperative DElirium in Surgical and Traumatological patients

Eine Beobachtungsstudie zur Inzidenz und den Risikofaktoren des postoperativen Delirs bei chirurgischen und orthopädischen Patienten im Krankenhaus Bruneck

 

Projektleitung

Dr. Dietmar Ausserhofer¹ ² (Forschungsdepartment Claudiana), Dr. Franco Mantovan1 ³  (Bruneck - Tutor Claudiana)

Projektteam

Dr.ssa Chiara Muzzana1 (Forschungsdepartment Claudiana), Inf. Katia Trevisani 1 ³ (Bruneck - Tutor Claudiana), Dr. Markus Huber ³ (Psychiatrie) und Dr. Alexander Kugler ³ (Pflegedienstleiter)

Projektpartner

Prim. Dr. Günther Sitzmann³ (Chirurgie), Prim. Dr. Stefano Basso³  (Orthopädie/Traumatologie), Dr.In Rosmarie Oberhammer³ (Anästhesie/Intensivstation), Koord. Andrea De Martin³ (Chirurgie), Koord. Michael Schmelzer³ (Orthopädie/Traumatologie), Koord.In Barbara Nöckler³ (Orthopädie/Traumatologie), Koord. Paul Gutwenger³, Siegline Bacher³ (Anästhesie/Intensivstation), Koord. Francesco Fiung³ (Orthopädie Ambulanz),, Dr. Erwin Kirchler³ (Psychiatrie), Barbara Mairhofer, Dr.In Irmgard Pallhuber (Dienst für Diät und Ernährung), Dr. Marion von Sölderer (Dienst für Abhängigkeitserkrankungen)

Expertin mit Beratungs- bzw. Supervisionsfunktion:

Prof. Dr.In Maria Schubert (Co-Leitung Forschung und Entwicklung, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut für Pflege)

Deborah Leuenberger, MScN (Pflegeexpertin  Inselspital, Universitätsspital Bern)

Laufzeit

2019-2020

 

Projektbeschreibung

Hintergrund

Zehn Prozent bis 30% aller Patienten/-innen in einem allgemeinen Krankenhaus entwickeln während des Krankenhausaufenthaltes ein Delir. Ein Delir ist eine häufige Komplikation insbesondere bei chirurgischen und orthopädischen/traumatologischen Patienten/-innen > 65 Jahren, welche mit einer erhöhten Mortalität und Morbidität einhergeht. Obwohl das postoperative Delir ein potenziell vermeidbares Ereignis ist, zeigen Studien, dass in der klinischen Praxis von einer teils geringen Sensibilität zu dieser Problematik auszugehen ist. Wie aus der Literatur hervorgeht, ist das postoperative Delir das Ergebnis einer komplexen Wechselbeziehung zwischen prädisponierenden und auslösenden Faktoren seitens der Patienten/-innen, sowie Faktoren des Krankenhausaufenthalts und der Therapie bzw. Behandlung (z. B. primäre neurologische Krankheit, interkurrente Erkrankungen). Allerdings ist zum ‚Risikoprofil‘ von älteren Patienten/-innen, welche postoperativ ein Delir entwickeln, relativ wenig bekannt.

Zielsetzung

Primäres Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Inzidenz und potentielle Risikofaktoren des postoperativen (nicht entzugsbedingten) Delirs bei chirurgischen und orthopädischen /traumatologischen Patienten/-innen > 65 Jahren im Krankenhaus Bruneck (Gesundheitsbezirk Bruneck, Südtiroler Sanitätsbetrieb) zu erfassen und zu beschreiben.

Design/Methode

Im Rahmen eines Pilotprojekts wird im Krankenhaus Bruneck eine Beobachtungsstudie (prospektive Kohortenstudie) durchgeführt. Im Zeitraum April 2019 - Juli 2019 (4 Monate) werden insgesamt 200 Patienten/-innen eingeschlossen (100 Chirurgie, 100 Traumatologie/Orthopädie), welche (1) ≥ 65 Jahre alt sind, (2) > 24 Stunden stationär auf den Abteilungen Traumatologie/Orthopädie A und B oder der Abteilung Chirurgie im Krankenhaus Bruneck aufgenommen werden, (3) sich einem elektiven oder dringenden orthopädischen/traumatologischen (z.B. Hüftprothese/ Oberschenkelfraktur ) oder chirurgischen (offenen oder laparoskopischen) Eingriff unterziehen, (4) deutsch oder italienisch verstehen/sprechen können, und (5) ihr schriftliches Einverständnis zur Studienteilnahme geben. Zur Erfassung des Delirereignisses und dessen Dauer wird ein Screening und Assessment anhand valider und reliabler Messinstrumente (4AT, Delirium Observation Screening) durchgeführt.

Erwarteter Nutzen/Relevanz

Die Ergebnisse der Studie „Patientensicherheit und Pflegequalität in Südtiroler Krankenhäusern (PUSH)“ zeigten, dass das Krankenpflegepersonal in den Südtiroler Krankenhäusern mit der Überwachung und Pflege von verwirrten und kognitiv beeinträchtigten Patienten/-innen herausgefordert ist. Im Rahmen der PODEST-Studie (Phase I) werden erstmals Daten zum Phänomen des postoperativen Delirs im Südtiroler Sanitätsbetrieb gesammelt, die es ermöglichen, das Ausmaß des Problems in diesem Kontext zu beschreiben und zu verstehen. Diese Daten dienen einerseits zur Sensibilisierung des Gesundheitspersonals zu diesem Thema und sollen die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines interprofessionellen und multimodalen Delirmanagement-Programms (Phase II) informieren. Die Patienten/-innen und die Südtiroler Bevölkerung profitieren von einer Verbesserung der Patientensicherheit und Versorgungsqualität im chirurgischen und orthophädischen/traumatologischen Bereich, indem durch ein Screening und Assessment mittels validierter Instrumente potentielle Risiko- und Einflussfaktoren für ein Delir präoperativ erfasst und das Auftreten eines Delirs postoperativ überwacht werden. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn der Studie besteht darin, chirurgische und orthopädische /traumatologische Patienten/-innen mit Risiko für ein postoperatives Delir zu identifizieren, welche von einem Delirmanagement-Programm am meisten profitieren.