Laufende Forschungsprojekte

 

1. WIE KÖNNEN PATIENTEN IHREN ÄRZTEN HELFEN? Eine multimethodische Untersuchung zur  Qualität der Arzt-Patient-Interaktion im primärärztlichen Setting in Südtirol (Studie der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin, Institut für die Sonderausbildung in Allgemeinmedizin, Universität Bozen und apollis)

Sowohl auf Seiten der Ärzteschaft, als auch bei den Patienten, ist eine Pluralisierung von Erwartungshaltungen und Kommunikationsstilen feststellbar. Wenngleich über den Stellenwert des Arztes in diesem Spannungsverhältnis bereits viel geforscht wurde und es zahlreiche Initiativen gibt, gibt es bis dato zur Ressource „Patient“ als wichtige Kraft zur Lösung von Problemen im Gesundheitssystem kaum Forschung oder Initiativen. Die vorliegende Studie untersucht, wo sich die größten Diskrepanzen in der Arzt-Patient-Interaktion identifizieren lassen im Hinblick darauf, diese – mit besonderem Fokus auf die Stärkung des partizipativen Prozesses von Seiten des Patienten – zu überwinden. Als quantitatives Befragungsinstrument kommt sowohl für Patienten (N = 506), als auch für Hausärzte (N = 109) ein standardisierter Fragebogen im Rahmen von Telefoninterviews (Patienten) bzw. Online-Fragebögen (Ärzte) zum Einsatz. Der quantitative Teil wird von einer qualitativen Erhebung ergänzt (N = 26). Grundgesamtheit der Befragung sind alle in der Region tätigen Hausärzte sowie alle ansässigen volljährigen Personen.

Ansprechpartnerin: Dr. Barbara Plagg (Barbara.Plagg@am-mg.claudiana.bz.it)

 

2. LEBENSWELT DEMENZ: Bedarfsanalyse nicht-medizinischer Versorgungspfade zur Entlastung von Demenzpatienten und deren Hauptpflegepersonen in häuslicher Betreuung (Studie des Instituts für die Sonderausbildung in Allgemeinmedizin)

In Südtirol werden Personen mit Demenz häufig bis zum schweren Krankheitsstadium von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Zahlreiche Studien bestätigen, dass die Entlastung von pflegenden Angehörigen einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pflegenden und seinem Patienten hat, und durch die Aufrechterhaltung einer positiven und ressourcenschonenden Pflegesituation ein längerfristiger Weiterverbleib im häuslichen Ambiente gewährleistet wird. Dennoch ist die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten nicht selbstverständlich, da die Stigmatisierung und Tabuisierung der Erkrankung, sowie die klassischen Rollenerwartungen an Angehörige als Barrieren insbesondere innerhalb ruraler und strukturschwacher Gebiete wie Südtirol als hemmende Faktoren wirken. „Lebenswelt Demenz“ erhebt sowohl mit quantitativen als auch vertiefend qualitativen Methoden den Unterstützungsbedarfs und potentielle soziokulturelle und strukturelle Barrieren in der Inanspruchnahme von Unterstützungsmaßnahmen.

Ansprechpartnerin: Dr. Barbara Plagg (Barbara.Plagg@am-mg.claudiana.bz.it)

 

3. PALLIATIVE VERSORGUNG IM HÄUSLICHEN SETTING IN SÜDTIROL: Organisation, Kommunikation und Lebensqualität im palliativen Netzwerk im häuslichen Setting in Südtirol (Studie der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin, Institut für die Sonderausbildung in Allgemeinmedizin)

Die Förderung der Lebensqualität von PatientInnen und Angehörigen stellt das zentrale Ziel der Palliative Care dar. Neben medizinischen Aspekten, wie Symptomlinderung und Schmerzkontrolle, stehen somit auch physische, psychosoziale sowie spirituelle Faktoren im Zentrum. Vor allem im häuslichen Setting wird ein hohes Engagement aller Beteiligten verlangt. Diese Belastungen können das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betreuenden und Pflegenden beeinträchtigen und die weitere Patientenbetreuung beeinflussen. Die vorliegende Studie erhebt generelle Dimensionen zur Evaluation der häuslichen Betreuung mit Fokussierung auf die Lebensqualität, psychischer Belastungen und Kohärenzerleben aller Betroffenen sowie der Zusammenarbeit und Kommunikation im Betreuungsteam.

Ansprechpartnerin: Dr. Barbara Plagg (Barbara.Plagg@am-mg.claudiana.bz.it)

 

4. WAS MOTIVIERT UNS GUTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE ZU SEIN: In dieser Beobachtungsstudie werden die Berufszufriedenheit von Südtiroler HausärztInnen sowie Faktoren, die die berufliche Motivation fördern und hemmen, durch eine zweimalige online- Fragebogenerhebung untersucht (2010, durchgeführt vom Institut für Sozialforschung apollis, sowie 2019). Daran anschließend sollen in Fokusgruppen konkrete Maßnahmen für die Gesundheitspolitik zur Förderung und Aufrechterhaltung der beruflichen Motivation erarbeitet werden.

Ansprechpartnerin: Dr. Angelika Mahlknecht (Angelika.Mahlknecht@am-mg.claudiana.bz.it)

 

5. AUSBILDUNGSLEHRGANG FÜR MITARBEITERINNEN IN HAUSARZTPRAXEN: In Italien besteht bisher für PraxismitarbeiterInnen keine Verpflichtung zur Absolvierung einer spezifischen Ausbildung. In Südtirol soll ein Curriculum für einen Lehrgang entwickelt werden, das sich an bereits existierenden italienischen und deutschen Modellen orientiert sowie dem Bedarf der HausärztInnen und PraxismitarbeiterInnen angepasst ist. Dazu wird mittels einer online- Befragung von HausärztInnen und PraxismitarbeiterInnen erhoben, inwieweit Interesse an einem Lehrgang besteht und welche Inhalte vorrangig inkludiert werden sollen.

Ansprechpartnerin: Dr. Angelika Mahlknecht (Angelika.Mahlknecht@am-mg.claudiana.bz.it)

 

6. IQuaB (IMPROVEMENT OF QUALITY BY BENCHMARKING):  Diese Interventionsstudie wurde von der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin und dem Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg durchgeführt.

Ziel war die Optimierung der hausärztlichen Versorgungsqualität der häufigsten chronischen Erkrankungen (Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie, koronare Herzerkrankung, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern).

In den teilnehmenden Hausarztpraxen in Südtirol und im Land Salzburg (Regionen Pinzgau und Pongau) wurde 2012, 2013 und 2014 die Versorgungsqualität anhand von Qualitätsindikatoren erhoben. Nach jeder Datenerhebung erhielten die HausärztInnen ein schriftliches Feedback über die Ergebnisse ihrer Praxis (self-audit), sowie den anonymisierten Vergleich mit ihren Kollegen und mit Literatur-basierten Sollwerten (Benchmarking). In regionalen und transnationalen Qualitätszirkeln hatten die teilnehmenden HausärztInnen die Möglichkeit, die Ergebnisse zu diskutieren und Strategien für den Praxisalltag zu erarbeiten.

Parallel dazu wurde in den teilnehmenden Hausarztpraxen eine zweimalige Befragung von PatientInnen mit den Zielerkrankungen durchgeführt. Dadurch sollte untersucht werden, ob die Intervention zur Steigerung der Versorgungsqualität auch einen Einfluss auf Zufriedenheit und Lebensqualität der betreuten Patienten ausübte.

Zur Projekt- und Ergebnispräsentation wurden zwei Kongresse veranstaltet (15.09.2012, Bozen sowie 13.09.2014, Salzburg).

Projekthomepage: http://iquab.net

Projektförderung: Europäisches Programm INTERREG IV (2007-2013)

Projektlaufzeit: Oktober 2011 – September 2014

Publikationen: Mahlknecht A, Abuzahra ME, Piccoliori G, Enthaler N, Engl A, Sönnichsen A. Improving quality of care in general practices by self-audit, benchmarking and quality circles. Wien Klin Wochenschr. 2016;128(19-20):706-18.

Ansprechpartnerin: Dr. Angelika Mahlknecht (Angelika.Mahlknecht@am-mg.claudiana.bz.it)

 

7. PRIMA-Rom (POLYPHARMACY IN CHRONIC DISEASES: REDUCTION OF INAPPROPRIATE MEDICATION AND ADVERSE DRUG EVENTS IN ELDERLY POPULATIONS): Die cluster-randomisierte Studie PRIMA-Rom wurde als Pilotstudie des EU-Projektes PRIMA-eDS (electronic decision support) durchgeführt (www.prima-eds.eu).

Polypharmazie ist bei älteren, chronisch und mehrfach erkrankten Patienten ein häufiges Phänomen und steigert nachweislich die Rate an Medikationsfehlern, unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Hospitalisierungen und Gesundheitsschäden.

Im Projekt PRIMA-Rom wurde eine Intervention zur Reduktion von Polypharmazie durchgeführt. Die Intervention bestand in einer Beurteilung der Angemessenheit der Medikation der eingeschlossenen Patienten durch drei Experten (Internist, klinischer Pharmakologe, Experte für evidenzbasierte Medizin). Dazu wurden ein Interaktionsprogramm (Uptodate) und eine publizierte Liste von potentiell unangemessenen Medikamenten (Beers-Kriterien) herangezogen. Aus dieser Beurteilung wurden Empfehlungen zur Medikamentenreduktion gemäß der aktuellen Studienevidenz abgeleitet, die dem teilnehmenden Hausarzt übermittelt wurden.

Endpunkte: Medikamentenzahl, Mortalität, Hospitalisierung, Stürze, Frakturen.

Ansprechpartnerin: Dr. Angelika Mahlknecht (Angelika.Mahlknecht@am-mg.claudiana.bz.it)